Geschichte der Stadt

Dardesheim im historischen ÜberbUck
531 bis 648
531. Das Reich der Thüringer, das bis zu unserem Gebiet reicht, wird durch die vereinigten
Franken und Sachsen vernichtet. Der sagenhafte Dardo (Speerkämpfer) gründet am fuße des
Butterberges eine Militärsiedlung. Das Gebiet fallt darm an die Sachsen, die dafür 500 Rinder
Tribut entrichten.
772 bis 804. Sachsenkriege Karls des Großen, die Niederlage imd Unterwerfung der Sachsen
führt zur Herrschaft der Franken über unser Gebiet.
778. Gründung des Bistums Seligenstadt (Osterwick), das nach 804 nach Halberstadt verlegt
wird. Der Bischof Hildegrim (um 809) gründet 35 Kirchen, die dem Heiligen St.Stephanus
dem 1. christlichen Märtyrer gewidmet ist, derm hier fand sich die alte Thingstätte und ein
Heiligtum der Sachsen, Dardesheim war eine davon, dem Gott Wodan (wuotari-wuter-wuter-
Butter), Butterberg geweiht. Die Kirchen waren im kanonisch-rechtlich und
eigenrechtlich(nach Germanischem Eigenrecht) unterworfen. Sie waren die Urpfarrkirchen
und somit bischöfliches Eigentum. Hier liegt die Abhängigkeit Dardesheims in der
bischöflichen – domprobsteirischen Grundherrschaft bis 1809 begründet. Ihre Aufgaben
werden schließlich den Archivdiakonaten übertragen, dieser Prozess wird im 11. bis
12.Jahrhundert abgeschlossen.
1128. Papst Honorius II. setzt Bischof von Schkeudilz ab, weil er Geld für die Einweihung
der neuen Kirche in Dardesheim genommen hat. In den Chroniken, die Originalurkunde
scheint nicht mehr vorhanden zu sein, wird der Ort „Dusnensis“ genannt, von vielen als
Dardesheim gedeutet. Das bestreitet der Herausgeber der Chron. Halberstadt und andere. Es
soll sich um „Deutschental“ im Bereich des Klosters Kaltenborn handeln. Fakt ist, dass im
12.Jahrhundert hier eine Kirche erbaut wurde. Die überlieferte Figur des St.Stephenus am
Kirchenportal entstammt dieser Zeit. So muss das nachfolgende Datum als Ersterwähnung
gelten.
1194. Erste Erwähnung Dardesheim im Ilsenburger Urkimdenbuch. Bischof Gerdolf bestätigt
die Schenkung einer Mühle in Dardesheim durch den Probst Liudolf an das Spital zu
Ilsenburg.
1218. Erste Erwähnung des Archidiakonas im „banno“ Dardesheim, Sitz einer
Synodenkirche. Der Erzpriester hatte mit den Sendeschöffen richterliche Befugnis über die
geistlichen und Laien von 38 Pfarrdörfer. 1388 bis 1400 wird ein „barmo Deressem“ und noch
1514 ein Archiediakonus barmi Osterwiecensis, auch Derdessemensis genaimt, erwähnt.
Berufung gegen das Urteil kormte beim bischöflichen Offcial in Halberstadt eingelegt werden.
1281. Bischof Volradt bittet den Markgrafen von Meißen um Rückgabe der Vogtei über das
Bistum, was 1282 erfolgt. Mit dieser Aufgabe werden mit Unterbrechungen die Grafen von
Reinstein (Regenstein) beauftragt.
1308. letztes freies Gaugericht auf dem Butterberg-Dryberg
1319. Domherr Albert, Herzog von Braunschweig, erhält Dardesheim als Besitz.
1341. Erstmals taucht der Adler als domproböstliches Wappen neben den Familienwappen bei
dem Dompropst Johann von Braunschweig (1341-67) auf.
1358. Ende der weltlichen Gerichtsbarkeit (Vogtei) der Graf von Reinstein, sie verkaufen die
„Dingsthühle u.a. „to dem Dryberg“ an Bischof Albrecht.
1390. Erwähnung des „Klint“ (Erhebung auf steinigen Boden) und des Pfarrhofes, eines
Siegels des Archiediakonus.
1392. Dompropst Albrecht quittiert über 12 Mark Entschädigung für Verluste in Dardesheim
durch die Grafen von Reinstein.
1411. Erwähnung einer Straße „Hinter dem Turm“.
1414 bis 1435. Dompropst Friderich Hake in Dardesheim, er übernimmt das Amt von Rabiel,
der wegen Mordes seines Amtes enthoben wurde.
1435. Stiftung des St.Annen-Hospitals durch Dompropst Hake für alte Leute und Pilger,
Versorgung des Hospitals mit Acker freie Steuern, Abgaben und Wachdienst.
1. Erwähnung der Stadtmauer und eines Wachdienstes aller Hausbesitzer-Ursprung der
Dardesheimer Schützengesellschaft. Dardesheim wird als Dorf bezeichnet.
2. Am Hospital entsteht der Pilgrimskirchhof, noch im 18.Jahrhundert genutzt. .
Knochenfunde 1966 beim Umbau des Kindergarten.
1463. Wappen des Dompropstes Heinrich Gherven (1463-74) am Gutsgebäude zeigt das
Brustbild einer Frau, die eine Kugel in den Händen über dem Kopf hält.
1485. Neubau der angebrarmten Kirchturmspitze.
1517. Wappen (Forellen/Hirsch) des Dompropstes Wolfgang, Graf von Wemigerode-
StoUberg (1517-1552) am Gutsgebäude.
1555. Die Dardesheimer Arbeitsleute hatten dem Amt gegenüber jährlich zu leisten: 2 Fuder
Küchenholz anfahren, zur Ernte 2 Tage Korn fahren, 3 Tage pflügen und eggen, 1 Fuder Heu
einfahren, ein Wispel Korn in die Stadt fahren. Wer mit ein oder zwei Pferde pflügt, muss
dies drei Tage tun und noch Handdienste leisten.
1566 bis 1613. Bischof Heinrich Julius schenkt den Schützen 15 Morgen Acker und 3 V2
Morgen großen Teich, genarmt (Schützenteich) von der Stadt als Patron verpachtet,
Einnahmen für Preise das Schießen nach der Scheibe.
1649. Der neue Landesherr mit „reitenden Boten“ die Postverbindimg zwischen Halberstadt
und Braunschweig, einmal pro Woche berühren die Boten auf der Heeresstraße auch
Dardesheim.
1656. älteste Kirchenbibel, 19 Neubürger, davon 8 zugewandert.
1662. Brand in der Langen Straße, beide Seiten seien niedergebrannt.
1664. Thorwesen erschießt seinen Schwiegervater Rektor Peter Koch am Hospital und
entflieht.
1667. Renovierung des Kirchturmes mit Holz und Mauerwerk für 142 Taler.
1688. Hans Lorens aus Rohrsheim erschlägt Ilse Hölle, verwitwet mit einem Stein, er wird
mit dem Schwert hingerichtet.
1726. Einführung in Dardesheim eine Umsatz-und Verbrauchersteuer auf Lebensmittel und
Vieh, im und Export, an den Stadttoren erhoben.
1727. Brand bei Kirchenvorsteher Melcher, 4 Häuser und Scheunen brennen ab.
1744. Dompropst Heinrich erteilt das Amt die Erlaubnis, Brandwein zu brennen, werm die
bürgerliche Nahrung der Städte nicht gefährdet wird. Brand des Kirchturmes.
1757. 27/28.September, 60.000 Franzosen unter Führung des Duc de Richelieu lagern östlich
von Dardesheim und Zilly zu Beiden Seiten der Alten, die über Dardesheim, und der neuen
Heerstraße die über Zilly führt. Dass beide Orte nicht zum Schlachtfeld werden, erklärt sich
^ aus der Tatsache, das der heranziehende Herzog von Braunschweig die Überlegenheit der
Franzosen erkermt und sich nach Wegeleben zurückzieht.
1771. Beginn des „Ölschlagens“ in der Öl-Mühle.
1777. Die Stadt wird aufgefordert, Salpeterwende anzulegen. Dabei wurden
Muschelkalksteine mit in den Zwischenräumen eingefugt und Stallmist gestapelt und stets mit
Jauche getränkt. Der austretende Salpeter wurde abgekratzt und in die Salpetersiederei nach
Badersleben gebracht, wo die Aufbereitung für Schießpulver und Pökelsalz erfolgte.
1779. Klage über fehlende Semmeln (Brötchen) in Dardesheim, sie sollen jeden Monat bei
gleicher Güte gebacken werden. Der Verkauf von Semmeln aus anderen Orten wird unter
Strafe gestellt.
1783. Unwetter über Dardesheim, besonders geschädigt werden die Mühlen.
1788. Auf der Karte zum Ausbau der Langen Straße sind drei Stadttore ausgewiesen, sie
wurden vermutlich um 1795 abgerissen.
Rückblick
1568/70. Das erste Rathaus wird gebaut mit dem Ratskeller, Dardesheim wächst in das
Stadtrecht hinein, der Opferstein vom Butterberg wird zum Rathaus geholt (1570)
1574. Unwetter über den Ortsberg, aber 12 Morgen am Ortsberge sind verflossen und eitel
Stein und Grad geworden, dass kein Mensch mehr pflügen kaim.
1591. Schlägerei auf der Gasse zwischen den Gebrüdem Roloff und Dingelbuck. Letztere
schlagen sich auf dem Rathaus und werden gefangen genommen. Der Bürgermeister bittet um
ihre Freilassung, da das Rathaus ein „freies Haus“ gewesen ist. Die Ältesten beschwören diese
Version, darauf werden die Festgenommenen wieder aufs Rathaus gebracht und frei gelassen.
1600. Gerichts-und Polizeiordnung der Ämter des Stiftes Halberstadt: alle Einwohner werden
Sormtags nach der Kirche über Brandschutz belehrt, Leitern und Ledereimer müssen in den
Gehöften bereit gehalten werden.
Schlägerei auf einer Hochzeit auf dem Rathaus, die beiden Delinquenten zahlen je 30
Groschen Strafe.
1604. Hans Besser wird wegen vielfachen Misshandlungen und begangenen Ehebruch zweier
Ehefrauen von Meister Clawer, dem Scharfrichter, am Marktbrunnen geköpft, imd vor der
Friedhofsmauer begraben.
1607. Feuersbrunst: 8 Wohnhäuser ohne Scheunen und Stelle verbrermen.
1618. Begirm des 30-jährigen Krieges, der auch in Dardesheim zu Verlusten an Menschen
und Material ftihrte.
1631. Feuersbrunst im Ort, 22 Wohnhäuser brennen ab.
1641. W.Heins „der Bader“ als Bürger aufgenommen, Hans Brücke erschlägt seinen Sohn mit
einem Beil, verbirgt sich auf seiner Kammer, verteidigt sich mit Steinwürfen, mit List
überwunden, verurteilt und mit dem Schwert hingerichtet.
Schweden und Kaiserliche lagern in der Nachbarschaft, besonders die Schweden rauben und
plündern, verwüsten die Häuser und Stallungen, reißen die Fußböden heraus, decken die
Dächer ab und fahren alles in ihr Lager, Hessen wird von den Franzosen erobert, Pferde,
Schweine, und Schafe werden davon getrieben, viele Bauern werden erschossen, eine
Feuersbrunst vernichtet 52 Häuser ohne Scheunen und Stallungen. Osterwieck wird erobert
und belagert, bei Homburg bei Wolfenbüttel treffen Kaiserliche und Schweden aufeinander,
5000 Tote zusammen auf beiden Seiten.
1647. Brand in der Sürenstraße, 15 Wohnhäuser mit Scheunen brennen ab.
1648. Aufzeichnungen in den Dardesheimer Kirchenbüchem: Brand des Kirchturmes, brermt
auf die hälfte ab, am 1.11. wieder aufgebaut, unterstützt vom Obristen Hans Heiming bei
Beförderung der Materialien und Gelder aus dem Amt.
1791. Viehmarkt voller Erfolg, im folgenden Jahr mit einem Krammarkt erweitert, der
bisherige Krammarkt am Dienstag nach Michaelis soll verlängert werden. Antrag und
Genehmigung flir die Anlage eines neuen Friedhofes, Maulbeerbäume müssen gepflanzt
werden.
1800. Verkauft werden Ziegelei und Gipskalkbrennerei an Schichtmeister Delius für 6000
Rth., dieser kauft auch das Haus eines Behrents in der Langen Straße und richtet eine
Brandweinbrermerei ein.
Dardesheim hat 1138 Einwohner, 224 Wohnhäuser.
1818. Einige Gewehre kamen zum Vorschein, die während des letzten Krieges nicht
abgegeben worden waren. Die Schützen fiihrten wieder Schießen durch.
1810. bis 1834 Fahrpost zwischen Halberstadt und Homburg mit Pferdewechsel in
Dardesheim.
1812. Der Feldzug nach Russland wird vorbereitet.
Verkauf des Rittergutes an den Landesdirektor Baron von Gustedt.
1813. Werden aus dem Fürstentum Halberstadt 4 ländliche Kreise gebildet, Dardesheim
gehört bis 1825 zum Kreis Oschersleben.
1814, wird der Ort zweimal pro Woche von der Fahr- und Reitpost Halle- Braunschweig und
Braimschweig-Halberstadt-Magdeburg berührt.
1817. Erwähnung eines Spritzenhauses am alten Rathaus.
1818. hat Dardesheim 1311 Einwohner.
1825. Dardesheim kommt zum Kreis Halberstadt und untersteht der Gerichtsbarkeit
Osterwieck.
1827. Fr.W.Dethmar beklagt sich bei seiner reise in den Harz über die unmögliche
Abfertigung beim Dardesheimer Zoll: „Ich werde wenigsten niemand raten über Dardesheim
zu reisen.“
1829. Die Windmühle am Vogelberg brermt ab.
1834. Feuer auf dem Löwenplatz beim „Löwen-Michel“(Gastwirtschaft).
1839. Schnellpost Dardesheim-Wolfenbüttel.
1847. Die 2. zentrale Wasserleitung in Holzröhren.
1848 Revolution in Dardesheim gegen die noch immer erhobene Feudalabgaben an das
Rittergut und die Domäne Zilly. Gustedt ruft die Halberstädter Kürassiere, 10 Bürger werden
verhaftet, 8 verurteilt, „Bürgergeneral“ Langenstraß soll mit Filzpantoffeln über den
Butterberg geflohen sein, wo er sich und einige andere Revolutionäre versteckt hielten.
1852. Aufhebung des Nebenzollamtes, später wird Musikschule von 1919 bis 1936, dann bis
1967 Kindergarten.
1856 Abbruch des Kirchenschiffes und später des Turmes wegen Baufälligkeit und
Einsturtzgefahr.
1861. Hat Dardesheim 1466 Einwohner, nach dem Dreiklassenwahlrecht wählen in Klassen
1:20, 2:5 Klasse 3:159.
1882 Einweihung der 3.Kirche, 6600 Taler zahlte über Kredit die Stadt. Brand der Scheune
des Kantor -und Organistenhaus, mit Mühe konnte die Feuerwehrspritzen gerettet werden.
Brand bei Schmied Düber und Seiler Höhle, 2 Scheunen und Stallungen brannte ab.
1870 bis 1880 Errichtung des Schützenhauses.
1873. Einrichtung einer weiblichen Lehrstelle für Handarbeit.
1881 Bildung eines Gesangvereins „Verein junger Männer.“
1888. Wasserleitung zum Rittergut erneuert.
1891. Gibt es in Dardesheim 399 Lohnarbeiter(154 Frauen), davon 303 in der Landwirtschaft,
56 im Baugewerbe, 32 im Handwerk.
1898. Einweihung der Kleinbahn Heudeber-Dardesheim-Mattierzoll, Eröffnung der Gaststätte
„Zur Eisenbahn“ Saal mit Trinkhalle.
1905. Gründung des Männerchors „Liedertafel“ und einen gemischten Chor.
1907. Gründung des Turnvereins „Germania“ durch den Lehrer Emil Schliepacke.
1908. Kreis-Krieger-Verbandsfest in Dardesheim. Einfuhrung der amtlichen Leichenschau,
bis dahin bescheinigter Pfarrer, Totenfrau oder Hebamme den Tod, deshalb keine genauen
Angaben im Sterberegister der Kirche. Pocken und Cholera, die im 19.Jahrhundert in
Dardesheim auftraten werden hier nicht erwähnt.
1909. Viehzählung : 131 Pferde, 508 Rinder, 103 Schafe, 765 Schweine.
1911. Kinder unter 6 Jahren dürfen nicht ins Kino, Kinder von 7 bis 16 Jahren nur zu
Jugendveranstaltungen, jedoch nicht nach 19 Uhr besuchen.
1935. Bau der zentralen Wasserleitung am Braunschweiger Tor, Straßenbeleuchtung wird
installiert, 48 Lampen. Dardesheim hat 1364 Einwohner, 5 Gaststätten, 4 Kleinhandlimgen für
Brandwein und Spirituosen.
1936. Am 9.Mai Unwetter über Dardesheim, Zimmerplatz, Gaststätten, Rittergut und die drei
Wassermühlen werden schwer beschädigt, der Damm der Kleinbahn wird unterspült.
1937. hl der Auseinandersetzimg mit der Kirche fordert die Stadt ein Teilungsverhältnis von
3:2, da erst die Einwohner und darm die Kirche da währen, Kirche lehnt auch 1938 ab.
1938. Einrichtung einer Kochschule in den Lehrerhäusem für junge Mädchen, diese wurde bis
zirka 1944 fortgeführt.
1939. Der Zweite Weltkrieg beginnt, das politische Leben erlahmt, Dardesheim hat 1342
Einwohner. Soziale Stmktur der Landwirtschaft Ende der 30er Jahre: neben dem Rittergut mit
cirka 412 ha, gab es zwei größere Bauem, die mit 6 Pferden 140 Morgen Acker, 9 größere
Bauern mit 4 Pferden 80-100 Morgen, 26 Mittelbauem mit 2 Pferden 40-50 Morgen und 6
Kuhbauem die 20 Morgen unter dem Pflug hatten.
1939/1954. Wird das Schützenhaus als Intemiemngslager für Kriegsgefangene, die in der
Landwirtschaft arbeiten müssen genutzt.
1942. Die Freiwillige Feuerwehr erhält ein Feuerwehrfahrzeug für 15,000 Reichsmark,
12.000 RM zahk der Staat.
1942/43. Hitlerjugend kauft die Musikschule- Gebietsmusikzug der HJ.
1945. Am 4.November, Ende des Krieges in Dardesheim, es wird von US-Tmppen besetzt.
Bürgermeister F.Siebert wird abgesetzt, der 1933 gestürzte Bürgermeister K. Borchers wieder
eingesetzt.
Löschfahrzeug wird von Zivilgefangenen zur Fahrt in die Heimat entwendet.
Ende Mai, Abzug der Amerikaner, durch die Engländer ersetzt.
Unterhaltungsbeilage der Halberstädter Zeitung
T.Januar 1933 4
Aus der Geschichte Dardesheims ^
Die Stadt Dardesheim, in alten Urkunden auch Dardiß (1194), Dardessein (1218),
Dardessen (1468), Daressem oder Dardesssen genannt, 18 Kilometer nordwestlich
Von Halberstadt, am Kalbkebach (Rottenbach) gelegen, ist mit ihren 1,500 Einwohnern
Die fast durchweg evangelisch sind, wohl eine der kleinsten Deutschlands
Überhaupt. Der Name bedeutet: Heim eines gewissen Dardo, ist also aus einen
Personermamen mit Taro (=Wiufspieß) gebildet.
Der Ort gehörte wahrscheinlich schon seid Gründung des Halberstädter Doms(800)
In katholischer Zeit zur Propstei des Domstiftes Halberstadt und hatte im Mittelalter ganz
andere Bedeutung. Auf den nördlich des Ortes gelegenen Dryberge wurde eins der sechs
hohen Gauringe des Harzgaus abgehalten, und schon in Heidnischer Vorzeit, wo der Berg
nicht nur Mal-oder Gerichtsstätte, sondern auch jedenfalls Opferplatz war.
Die Pfarrkirche zu Dardesheim war in kathoUscher Zeit die Haupt- und Synodalkirche fiir
einen größeren Bezirk, zu den etwa 40 Pfarrdörfem gehörten, über die der Pfarrer zu
Dardesheim, das Amt eines Archidiakomus (Erzpriesters) hatte.
Dieses Archidakonat wird 1218 zuerst erwähnt. Die Kirche, deren Patronat dem Dompropst
zu Halberstadt zustand, ist jedenfalls viel älter, sie gehörte wahrscheinlich zu den bei der
Christimatsierung des Harzgaus durch den ersten Halberstädter Bischof
Hildegrimm(bis827)gegründet. Der erste evangelisch-lutherische Pfarrer unserer Kirche war
der Magister Michael Rasehom (1576-1612), der in Wittenberg studiert hatte. Er stiftete der
hiesigen Kirche 600 Taler, von deren Ertrag der Pfarrer jährlich 12 Taler, sowie die Insassen
des Hospitals vier Taler erhielten. Leider ist das Kapital in der Inflation verschwunden,
ebenso das Bildnis des Stifters, das neben der Sakristeitür der alten Kirche in Stein gehauen
war. Die neue Kirche wurde 1859-62 erbaut, von der alten ist nur die Figur des heiligen
Stephanus über dem Westeingang imd ein Kreutz erhalten geblieben. Sie besitzt fiinf
Glocken-gewieß auch eine Seltenheit fiir so ein kleines Städtchen und eine schöne
pneumatische Orgel mit 30 klingenden Registern.
Das Gut zu Dardesheim (das heutige Rittergut) war eins der bedeutesten des Halberstädter
Dompropstes. Im Jahre 1319 erhielt es der Halberstädter Domherr Albrecht von
Braunschweig als Präglude (Pfunde), der Dompropst Graf Christoph von Stolberg hielt sich
oft hier auf, sein Amtmaim war (1572-1579) Ambrosius Fronhofer, der sehr wohlhabend war
und ihm viel Geld vorstrecken konnte. Graf Christoph v.Stolberg ist wahrscheinlich auch
gewesen, der unsere Schützenkompanie die halbe Hufe Acker gestiftet hat, die Vogtei
(Schutzherrschaft) des Ortes hatte bis 1282 der Markgraf von Meißen iime, der sie in diesem
Jahre an das Domkapitel abtrat. Warm dem Ort das Markt-und Stadtrecht verliehen wurde ist
nicht bekarmt, jedenfalls aber erst nach 1492,weil es damals noch „bleke este dorpe“ heißt
noch 1464 wird ein Teil das Niederdorf genaimt.
Die Geistlichkeit unterstand dem Halberstädter Dompropst, der zugleich Patron der hiesigen
Pfarrkirche war. Die weltliche Gerichtsbarkeit war der Graf von Regenstein und Blankenburg
als Lehen übertragen. Diese behielten es mit einer kurzen Unterbrechung an den Bischof
Albrecht 11.1280 von Halberstadt abgetreten, der nun beide, weltliche imd geistliche, in seiner
Hand vereinigt.
Alle vier Wochen kam ein Gerichtshalter hierher und hielt Gerichtstage ab. In der
Franzosenzeit(1807-12) war das Gut eine westfälische Domäne. Sie wurde im Jahre 1812 an
den Landesdirektor von Gusstedt verkauft imd befindet sich heute in Besitz von K.Höming.
Auf dem Rittergute sieht man heute noch moderne Gebäude, die in der nachgeahmten Gotik
ausgeföhrt sind. An einem eingemauerten Wappensteine ist in Minukelschrift zu lesen:
Wolfgang Graff zu Stolberg un Wemigerode 1528.Auch besitzt Dardesheim einige alte
Holzbauten aus dem lö.und 17.Jahrhundert,die mit Fächerrosetten,Schürrollen und
Inschriften gesiert sind,besonders schön ist das Haus Lange Straße Nr.52(A.Klaus).Die
Inschrift, zum Beispiel an dem hause Nr. 194 von 1878
„Wer Gott vertraut… “ imd ,Also hat Gott die Welt geliebt… „, geben Zeugnis von dem
frommen Sinnen unserer Vorfahren. Urkundlich erwähnt werden noch: eine Mühle, Besitz des
Klosters Ilsenburg(wahrscheinlich die Lindemansche), das Kapitalswerk samt einen
Weingarten(1372) und der Pfarrhof, neben dem sich der Hof des Dompropstes Heinrich von
Braimschweig befand. (1380).
Von den Stadtmauern sind noch an einigen Stellen Reste vorbanden, die Stadttore dagegen
sind verschwunden.
Bis vor Jahrzehnten stand von dem westlichen Eingange unserer Stadt, dem ehemaligen
„Andore“ noch ein altes kapellenartiges Gebäude mit kleinen Ringbogenfenstem, aber
spitzbogiger Tür, im Volksmund „Clus“ genarmt. Es war ursprünglich ein Hospital mit einer
kleinen Kapelle, die der heiligen Anna, der Schutzheiligen, der Bergleute geweiht war. Das
Hospital wurde im Jahre 1435 von dem Dompropst Rudolf Quirre, der Erbauer der
Sargstedter Warte, und Baltersar von Neustedt trugen zu seiner Ausstattung bei. Es gehörten
dazu mehrere Höfe, 7 Yz Hufe Land und etwas Wald, das „Clusholz“, das später verkauft
wurde, dessen Erlös aber verloren ging. Dieses Haus diente damals(wie auch noch heute) als
Unterkunft flir ärmere Leute-ein Brief des Domkapitels vom Tage Simonis und Juda
(28.0kt.) 1438 verlieh den Leuten und ihrer Herberge „Freiheit von allen Diensten, Lasten
und Abgaben“, -es stand unter der Verwaltung eines Hofineisters, der 1468 ein Halberstädter
Domherr war. Die Stiftungsurkunde und das Statut, auf die wir hier nicht näher eingegangen
werden karm, befindet sich im Magdeburger Staatsarchiv, sie sind in niederdeutscher Mundart
abgepasst. Im Jahre 1885 wurde das alte Gebäude, in dem sich bis zuletzt noch eine alte
Kanzel, ein Altar mit Weihkreuzen und ein Glöcklein von 0,34 Metern Durchmesser mit der
Inschrift „ave maria fi-acia“ befand, abgerissen imd mit Unterstützung der Stadt ein Neues
errichtet, die heutige „Clus“, die acht Hospitaliten Unterkunft bietet.
Im Jahre 1825 kam Dardesheim, das bis dahin zum Kreise Oschersleben gehört hatte zum
Landkreise Halberstadt. 1843 wurde das Landratsamt, das sich vordem in Osterwieck befand,
nach Dardesheim verlegt.
Landrat war damals Baron von Gustedt. Er war eifiig bemüht, die Landwirtschaft zu heben.
Er gründete die Ackerbauschule in Badersleben und ließ nach, nachdem er für die
Anpflanzung von Maulbeerbäumen gesorgt hatte, die Seidenraupenzucht und der Tabakanbau
betreiben. Im Jahre 1848 wurden auch in unserem sonst so fiiedlichen Städtchen viele Köpfe
von revolutionären Gedanken erregt, und es kam zu Ausschreitungen, die sich besonders
gegen die Grundherrschaft wegen Abschaffung des Garbenzehnten und des Rauchhuhns
richteten und für die Beteiligten recht üble Folgen hatte.
Bis 1852 befand sich auch ein preußisches Zollamt, und zwar in dem Hause Nr.32 am
Löwenplatz. An der Vorderfront war bis vor einigen Jahren noch ein großer Torweg, das
einen überbauten auch, ein sogenanntes „Schauer“, abschloss.
An einem dicken Balken war noch ein großer Hacken zu sehen, an dem fiüher die Waage
hing, auf der die verzollten Waren gewogen wurden. In der Nähe des Zollhauses waren zwei
Gasthöfe: „Zum Löwen“(heute Fr.Germer) und „Zum goldenen Enger'(heute H.Gerloff).
Am Löwenplatz, auf dem sich damals noch ein kleiner Teich befand, bis zum Marktplatz
standen oft in langen Reihen die Frachtwagen, während die Fuhrleute in den Gasthöfen
rasteten oder übernachteten. Am fi-ühen Morgen ging darm die Reise unter Zuhilfenahme von
Vorspaim wieder nach Halberstadt oder Braunschweig. Mehr als 20 Grenzjäger zu Fuß
damals waren in Dardesheim stationiert, da infolge der nahen braunschweigischen Grenze der
Schmuggel blühte.
Nach der endgültigen Aufhebung aller Binnenzölle, nachdem fast alle deutschen Staaten den
Zollverein beigetreten waren, wurden auch das Zollamt hier aufgehoben(1852).Lange Zeit
war das Untersteueramt in dem Grundstück untergebracht, das später nach Osterwieck verlegt
wurde.
Mit dem Stadtrecht war auch das Marktrecht verbunden, zweimal im Jahr, im Frühjahr und
Herbst, wurde in Dardesheim Markt abgehalten, der infolge der günstigen Lage des Ortes an
einer wichtigen Verkehrsstraße(Magdeburg-Braunschweig) gut besucht war.
Vom Marktplatz bis hinauf zur Kirche standen in langer Reihe die Buden und Verkaufsstände
der Krämer und Händler. Erwähnungswert ist auch die Dardesheimer Schützenkompanie(seit
1911 Schützengesellschaft), deren Entstehung ins 16.Jahrhundert zurückreicht.
„Ein Dompropst von Halberstadt, der sich wie oft in Dardesheim aufhielt“, also jedenfalls der
schon erwähnte Graf Stolberg, stiftete bei Entstehung des Schießens nach der Scheibe der
Stadt Dardesheim eine halbe Hufe Zentfi-eien Acker ;md ein 3 Yz Morgen großen Teich, der
später trocken gelegt und mit Weiden bepflanzt wurde, die den Schützen ein schönes Stück
Geld einbrachten. Der Magistrat übte das Patronatrecht aus, er musste sich jeweilig von den
nachfolgenden Dompröpsten belehren lassen. Acker(und werden zum Teil heute noch) die
Hauptgewiime für das Preisschießen gekauft, nämlich: I.Preis 4 ¥2 Elle dunkelblaues Tuch,
2.Preis zu einer Jacke,3.Preis für einen Reichstahler, und als ein 4.Gewirm für 16 gute
Groschen. Von Walpurgis(I.Mai) bis Johanni wurde geschossen, und zwar früher immer
Montags. Die Fahne der Schützen soll „ein Bischof, der in Groningen seinen Sitz hatte“,
Also jedenfalls Heinrich Julius(1566-1613) gestiftet habe. Sie wurde, obwohl sie sehr
zerrissen war, bis 1799 beim Schützenfest imd anderen feierlichen Gelegenheiten, zum
Beispiel bei der Begrüßung des ehemaligen Königs Friedrich Wilhelm IV. 1840, mit
hinausgetragen.
Nach der Aufhebung des Bistums Halberstadt(1648)und des Domstiftes(1810) wurde der
geschenkte Acker auch weiterhin der Schützenkompanie belassen. Der hiesige Amtsrichter
hatte die Aufsicht bei dem Schießen, er führte die Schützen hinaus und tat den ersten Schuss
vor den Königlichen Dompropst Schützenkönig ist bis auf den heutigen Tag nicht der, der die
höchste Ringzahl erreicht, sondern der, der den besten Schuss bei drei Umgängen abgegeben
hat. Er brauchte ehedem „kein schoß von sich und seinem Vieh.“(Lehnabgabe an die
Dompropstei) zu entrichten. Der obere erwähnte Acker und der Teich wurden bei der
Separation vertauscht, noch heute ist bei uns die Flurbezeichnung „Am Schützenteich“
gebräuchlich.
1564 hatte der Flecken Dardesheim 90 Hauswirte, 1589 waren es schon 120.Auch ein Küster
und ein Organist waren damals schon hier angestellt, da kurz zuvor eine Orgel angeschafft
worden war, zu der die Kirche 30 ThaJer und das übrige der Stiftungshauptmaim Heinrich von
der Lühe gegeben hatte.
Die Schulverhältnisse waren allerdings noch sehr dürftig, im Winter kamen 40 bis 50 im
Sommer 20 bis 25 Knaben zur Schule. Damit die Kinder fleißig zur Kirche kämen, hatte der
bereits erwähnte Dompropst Graf Christoph von Stolberg ein Vermächtnis gestiftet, aus dem
wöchentlich 60 Pfennigbrote an die Katechismusschüler verteilt wurden. Die Schule, deren
Patron der Magistrat ist, besaß bis 1775 zwei Stellen, deren erster der Küster, die andere der
Organist iimehatte. Der Küster, wurde später(bis 1686) Kantor genannt, darm erst tauchte der
Amtsname „Rektor“ auf. 1775 wird ein dritter Lehrer genannt, und 1871 wurde die vierte
Lehrstelle eingerichtet, die heute noch besteht (Lehrererinstelle).Die Rektoren waren meist
Theologen, die zugleich das Amt eines Hilfspredigers hatten (bis 1911) feierlich eingeweiht.
Die Schülerzahl betrug damals aimähert 300.
Über die städtische Verfassung und Verwaltung berichtet die Chronik: „Ehedem sind hier
mehrere Magisterpersonen gewesen, oft zwei bis drei Bürgermeister, ein Kämmerer und ein
Rathmann, auch ein besonderer Schreiber.“
Zur Zeit der Westfälischen Herrschaft war Andreas Langenstraß, aus Huy-Neinstedt gebürtig,
Bürgermeister, oder wie es damals hieß „Maire“, und Dardesheim hatte unter Aufsicht des
Präfekten des Saaledepartements in Halberstadt eine besondere Zivilverwaltung.
Bis 1806 waren vier Bürgervorsteher, die von der Bürgerschaft gewählt. Unter der
Westfälischen Herrschaft hörte diese Einrichtung auf, und es wurde ein Munizipalrat
eingeführt. Dazu wurden acht der geachtesten Bürger dem Präfekten in Halberstadt
vorgeschlagen und von ihm bestätigt. Nach der Auflösung des Westfälischen Königreiches
1813 blieb jedoch diese Einrichtung bestehen imter dem Namen „Gemeinderat“. Dieser kam
auf Einladung des Bürgermeisters aufs Rathaus und beratschlagte mit ihm über
Angelegenheiten der Stadt, prüfte auch die Rechungen der Kämmerei und machte Vorschläge
zu dieser oder jener Verbesserung. 1832 wurde die Städteordnung eingeführt, es wurden neun
Bürger als Stadtverordnete eingeführt und neun als deren Stellvertreter gewählt, die nun das
Recht hatten, den Bürgermeister und die Ratsmäimer zu wählen.
Während in fiiiherer Zeit in Dardesheim etwas Industrie vorhanden war, es gab hier mehrere
Breimerein und drei Ziegeleien und einen großen Dreschmaschinen -und
Dampfwalzenbetrieb und einige Steinbrüche. Infolgedessen ist Dardesheim trotz der
günstigen Verkehrsverhältnisse-1898 wurde die Kleinbahn Heudeber-MattierzoU dem Betrieb
übergeben und seit 1926 hat Dardesheim regelmäßig Kraflpostverbindung mit Halberstadt. In
seiner Entwicklung sehr zurückgeblieben, im Winter 1931/32 stieg die Zahl der Erwerbslosen
auf 120.Trotzdem sind die Finanzverhältnisse der Stadt als leidlich gut zu bezeichnen, und der
Gesamteindruck der Stadt mit ihren alten, zum Teil farbenfl-eudig angestrichenen Häusern mit
reichem Blumenschmuck ist ein durchaus angenehmer.
Wilhelm Dürbeck (ehemaliger Lehrer)